Supplemente für Schwangere
ein Beitrag von Udo Pollmer und Jutta Muth aus der Hebamme.ch 7/8 2016

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Kapseln Herz© S. Schlierne / www.fotolia.de

Der Körper versucht in jeder Lebenssituation, sich anzupassen, Schaden abzuwenden oder – im Falle einer Krankheit – Heilung herbeizuführen. Dafür regelt er über die Homöostase die Konzentrationen wichtiger Substanzen und verändert sie entsprechend den äusseren und inneren Bedingungen. Statt gleich einen Mangel an Calcium oder Folsäure zu verkünden, wäre es sinnvoller, bei nicht normgerechten Blutwerten erst einmal nach dem biologischen Zweck zu fragen...

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Zum Thema Gewichtsdiskriminierung, das wir in EU.L.E.N-SPIEGEL 3/2013 und 4/2013 behandelten, gehört auch die Problematik der Verbeamtung. Wer eine Beamtenstelle antreten möchte, muss nicht nur die fachliche Qualifikation nachweisen, sondern auch den Gewichtsnormen entsprechen. Lesen sie hierzu eine wahre Geschichte...

Höchste AnsprüchePDF download

von Jutta Muth - erschienen im EU.L.E.N-SPIEGEL 4/2013  S. 19

Lehrerin anno 1947
Foto: Bundesarchiv, Bild 183-S75969
Lizenz: CC BY-SA 3.0

Charlotte fühlt sich wohl in ihrer Haut. Doch wegen ihrer Figur wird sie schon mal schräg angeschaut. Sie gilt als umgänglich, fröhlich und ist vor allem kein Kostverächter. Am meisten liebt sie Pizza und Chips. Obst und Gemüse sind nicht ihr Ding. Sie ist der herzhafte Typ, frühstückt nicht gerne, isst aber am liebsten mittags und abends warm. Dann schaufelt sie sich den Teller mindestens zweimal voll. Für ihren „gesunden Appetit“ ist sie im Freundeskreis bekannt.

Charlotte mag Mode, doch in den angesagten Läden ist ihre Größe die Ausnahme. Ihr Gewicht passt einfach nicht zu ihren 1,77 m. Als Problemzonen sieht sie ihre Beine, den Übergang von der Jeans zu den modischen Hochschaft-Stiefeln tarnt sie mit Stulpen. Sie hat sich daran gewöhnt, schließlich guckte sie schon als Kind so aus der Wäsche wie heute; ihre Oma väterlicherseits sah übrigens genauso aus.
Charlotte ist Referendarin, sie studiert für das Lehramt an Gymnasien. Bei der notwendigen Einstellungsuntersuchung wurde ihr das Gewicht zum Verhängnis. Der Arzt bescheinigte ihr, rundum gesund zu sein, nur das Häkchen für Gewicht, das könne er nicht vergeben. Sollte sie sich nach bestandener Prüfung...

Neue BMI-Studie offenbart Willkür im „Pippi Langstrumpf“-Design

Waage© Uwe Grötzner / www.fotolia.de

Nachdem aktuelle Meta-Analysen bestätigten, dass Übergewicht nicht mit einer erhöhten Sterberate [1] respektive sogar mit einer längeren Lebenserwartung korrelierte [2], kam nun, was kommen musste: Die Autoren einer weiteren Meta-Analyse kolportieren brandaktuell, dass Übergewicht doch mit früherem Ableben assoziiert ist [3]. Auch wenn damit das „ökotrophologische Gleichgewicht“ wieder hergestellt erscheint (eine Studie kannibalisiert die vorherige) – so einfach ist es auch diesmal nicht.

Das hat vor allem zwei Gründe, so Ernährungswissenschaftler Uwe Knop: „Erstens taugt der BMI nicht zur Vorhersage von Gesundheit und Krankheit oder gar als `Sargnagel´. Zweitens ist der BMI nicht mehr als ein Marker für eine Korrelation, die keinerlei Schlüsse zur Kausalität erlaubt.“ Damit wäre das Paper schon vom Tisch, „wenn da nicht auch noch an den Daten gedreht worden wäre, um den behaupteten Zusammenhang zu konstruieren“, so Udo Pollmer, wissenschaftlicher Leiter des Europäischen Instituts für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften (EU.L.E. e.V.).

Man wagt ja kaum die zentrale Manipulation zu benennen – sie taugt nur noch zum Fremdschämen: Die Autoren haben fast zwei Drittel der...

Geschirrspüler im Ökogang
Sendung vom 02.12.2016

Radio

Von Udo Pollmer

Beinahe wäre es eine Erfolgsgeschichte moderner Umwelttechnik geworden: Mikrobiologen war es gelungen, einen Schwarzen Hefepilz zu identifizieren, der in der Lage ist, eine ganze Serie von Schadstoffen – beispielsweise das Lösungsmittel Toluol – abzubauen. Der Pilz ist gegenüber Kälte, Salzen, Säuren und Laugen ziemlich robust und vermag auch in einer lebensfeindlichen Umwelt zu gedeihen. Exophiala dermatitidis, so heißt der Superpilz, lebt auf Gletschern, in Tiefseequellen, Salzseen und Wüsten und er schafft alles weg, was man ihm an Futter in Form von Kohlenwasserstoffen vorsetzt. Deshalb hegte man große Hoffnungen, mit ihm Böden, die mit Öl verseucht sind, zu reinigen. Doch inzwischen macht sich Ernüchterung breit: Der Hefepilz entpuppte sich als Alptraum. Zunächst wurde er als Erreger von Hautkrankheiten identifiziert. Dann...

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Segen, Propaganda oder Naivität?

von Sandro Christensen und Udo Pollmer, erschienen im EU.L.E.N-SPIEGEL 2-3/2015  S. 33

Goldener ReisEin Schälchen Goldener Reis
Nicht unbedingt nahrhafter,
aber allemal bunter
Foto: International Rice Research Institute (IRRI)
Lizenz: CC BY 2.0
Die Diskussion über den Goldenen Reis findet kein Ende. Von Ingo Potrykus und Peter Beyer mittels Gentechnik entwickelt, hofft man mit dieser Pflanze endlich Armutskrankheiten, insbesondere die Blindheit bei Kindern in Entwicklungsländern, bekämpfen zu können. Was die Befürworter als humanitäres Projekt betrachten, halten Greenpeace & Co für eine Bedrohung, die nur in eine Katastrophe münden kann. Wie hilfreich ist der Goldene Reis wirklich?

„Um vernachlässigbare Risiken zu vermeiden“, spottete der Statistiker Walter Krämer, „gehen die Menschen große Risiken ein“. Beispielhaft nennt er die „große Panik wegen Pestiziden in Babygemüse“, genauer gesagt in Babykostgläschen der Firma Schlecker: „Die Mütter rennen auf den Markt, machen ihr Gemüse selber, nichtwissend, dass in deutschem Marktgemüse eine 200 Mal höhere Schadstoffkonzentration vorliegen darf und auch vorliegt, als im schlimmsten, verseuchten Schlecker-Gemüse gefunden worden ist.“22

Natürlich ist auch das „Risiko“ durch Marktgemüse belanglos, es ist nur rein rechnerisch größer. Der Vorfall ist zwar schon ein paar Jahre her, aber noch immer instruktiv. Risiken lassen sich systembedingt nie völlig aus der Welt schaffen. Und sie erfordern...