2012 4-6 EULE mini

Der EU.L.E.N-SPIEGEL Nr. 4-6 / 2012 hat 18 vegetarische Legenden als Schwerpunkt. Als Journalist können Sie die folgenden drei Legenden als PDF kostenfrei anfordern (ausschließlich zur persönlichen Redaktionsarbeit, keine Weitergabe an Dritte).

Schicken Sie dazu einfach eine kurze E-Mail an presse(ad)das-eule.de

1. Es ist pure Verschwendung, wenn 60% des Getreides im Futtertrog enden
2. Aus 16 Kilo Korn wird 1 Kilo Fleisch - und der Welt fehlt das Brot
3. Für unseren Fleischhunger brennt der Regenwald

Vegetarische Legenden – ein aktueller Gesundheitsnachschlag:

Eine aktuelle Analyse von 57 Studien ergab: Ein Zusammenhang zwischen Fleischverzehr und Herzkreislauferkrankungen ist nicht erkennbar2. Darüber hinaus mahnt ein Herzspezialist im renommierten British Medical Journal BMJ, dass der Mythos...

...von gesättigten Fetten, z.B. aus Fleisch, als Verursacher von Herzkreislauferkrankungen „zerstört“ werden müsse3. Weiter zeigt ein Blick auf den Fleischverzehr in Europa, dass in Ländern mit der gerne als „gesund“ gepriesenen „mediterranen Ernährung“ weit mehr Fleisch gegessen wird als in Deutschland4: Sowohl Italiener und Franzosen als auch Spanier verzehren mehr Fleisch als wir Deutsche – und alle leben länger als wir; Spanier haben gar die höchste Lebenserwartung in ganz Europa5. In Asien ergab die Auswertung von 7 Studien keinen Zusammenhang von Fleischkonsum mit erhöhter Sterblichkeit - ganz im Gegenteil: Der Verzehr von rotem Fleisch korrelierte invers mit Herzkreislauf-Todesfällen bei Männer, bei Frauen invers mit Krebstod6.

Eine multi-ethische US-Studie hingegen beobachtete bei Frauen ein höheres Schlaganfall-Todesrisiko mit steigendem Fleischkonsum, bei Männern konnte jedoch kein Zusammenhang gezeigt werden7. Bei Europäern/US-Bürgern europäischer Abstammung ist der steigende Fleischverzehr mit einem niedrigen Hüftfraktur-Risiko assoziiert8. Eine weitere Studie vermutet, dass ein möglicher Zusammenhang zwischen Gesamtmortalität und dem Verzehr von rotem Fleisch bestehen könnte - aber nur bei verarbeitetem Fleisch, nicht bei unverabeitetem Rotfleisch9. Schweinefleischverzehr wiederum scheint dreier Studien zufolge keinen Einfluss auf die Entwicklung des metabolischen Syndroms zu haben, liefert dafür aber einen möglichen Benefit für eine schlanke Taille und mehr vom „guten Cholesterin“10. Das könnte die Eltern australischer Kinder freuen, denn beim Nachwuchs von „Down under“ konnte kein Zusammenhang zwischen Schweinefleischverzehr und BMI, Gewicht oder Hüftumfang beobachtet werden11

Am Rande erwähnt: In Deutschland ist das Risiko nach einem Herzinfarkt zu sterben um 300% höher als in Dänemark12 – und die Dänen sind Europas Spitzenreiter beim Fleischverzehr (fast 15Kg/Kopf/Jahr mehr als die Deutschen)4. Ob hier ein Zusammenhang zwischen niedriger Sterblichkeit und höchstem Fleischverzehr besteht? Oder ob die Diagnosen eine gewisse Beliebigkeit aufweisen – und damit auch die Studienergebnisse?

Das ökotrophologische Universalcredo kennt die Antwort: Nichts Genaues weiß man nicht …  denn für ernährungswissenschaftliche Erkenntnisse gilt ein Zitat aus Studie10: „Most of the findings are weak and there is a lack of solid evidence.“ 

Und daher gilt natürlich auch bei den hier erwähnten Studienergebnissen: Auch diese Auswertung sollte man nicht überbewerten. Beispielsweise spiegelt die höhere Lebenserwartung im Süden Europas vielleicht nur eine höhere Rate an Rentenbetrug wider. Und generell gilt in der Ernährungsforschung: Erhebungen zu Verzehrsgewohnheiten sind immer wackelig. Nicht nur, dass dieses Datenfundament auf unüberprüfbaren Eigenangaben der Probanden basiert - hinzukommt, dass bei jeder Studie die Kategorien neu verteilt werden. So zählt Kalbfleisch in einer Studie zum „roten“ Rindfleisch und das rötliche Putenfleisch zum „weißen“ Schweinefleisch und in der nächsten Untersuchung ist das Schweinefleisch rot und das Kalbfleisch weiß. Wenn es für das Ergebnis vorteilhaft ist, dann wird aus einer Weißwurst schnell eine rote Wurst. Als Beispiel zum Hinterfragen aus einer anderen Kategorie: Ist Fruchtjoghurt ein Milchprodukt, eine Süßware oder eine Speise mit Früchten? Da fast alle Lebensmittel, die wir verzehren, aus vielen Rohstoffen bestehen, können sich die Statistiker ihr Ergebnis heraussuchen und „fooddesignen“.

Unter uns EU.L.En: Wir würden den Fruchtjoghurt am liebsten zu den „Aromen“ zählen.

RKI, BMG, MRI, DGE … Was sagen meinungsbildende Institutionen zu den aktuellen Gesundheitsversprechen der Vegetarierlobby, dass „vegetarische Kostformen das Potential haben, die meisten Zivilisationskrankheiten zu verhindern und erfolgreich bei deren Behandlung eingesetzt werden können“?

Robert Koch-Institut (RKI), Berlin: Frage: "Liegen dem RKI Daten vor, dass mit vegetarischer Ernährung Zivilisationskrankheiten verhindert und erfolgreich behandelt werden können?" Antwort RKI: "Nein. Die derzeit vorliegenden Daten erlauben nicht die Untersuchung eines möglichen kausalen Zusammenhangs zwischen Ernährungsverhalten und dem Auftreten bestimmter Erkrankungen."

Bundesministerium für Gesundheit (BMG), Berlin: „Grundsätzlich ist aus Sicht des BMG zu sagen, dass Ernährung nur ein Aspekt der Krankheitsprävention und ggfls. auch des Heilungsprozesses ist. Man darf Ernährung nicht isoliert sehen, sondern mit anderen Risikofaktoren gemeinsam: Rauchen, Bewegungsmangel, Übergewicht und Alkohol.“

Deutsches Institut für Ernährungsforschung (DIfE), Potsdam: „Das DIfE hat keine eigenen Studien durchgeführt, welche die Effekte einer vegetarischen Ernährung auf das Entstehen von Zivilisationskrankheiten untersucht.“

Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM), Berlin: Keine Stellungnahme

Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV), Berlin: „Bitte wenden Sie sich damit an die DGE und das Max-Rubner-Institut (MRI).“

Max Rubner-Institut (MRI), Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel, Karlsruhe: „Das Max Rubner-Institut forscht nicht zu vegetarischen Kostformen im Hinblick auf ihr Potenzial zur Verhinderung von Zivilisationskrankheiten. Darum können wir Ihnen dazu auch keine eigenen Daten bzw. Studienergebnisse zur Verfügung stellen.“ 

Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), Bonn: Keine Stellungnahme (obwohl sowohl BMELV als auch BMG auf die DGE verwiesen und dies der DGE bekannt war)


Literatur

1. Pressemeldung VEBU, VegMed 2013, 27.09.2013

2. Food Nutr Res. 2013; Health effects associated with foods characteristic of the Nordic diet: a systematic literature review: Abstract & PDF des paper to be published

3. BMJ | 26 OCTOBER 2013 | VOLUME 347: Let’s bust the myth of its role in heart disease - Saturated fat is not the major issue

4. AMI: 2011 Fleischverzehr Europa

5.  Weltbank / google public data, Lebenserwartung Europa 2011  

6. Am J Clin Nutr. 2013 Oct;98(4):1032-41. doi: 10.3945/ajcn.113.062638. Epub 2013 Jul 31: Meat intake and cause-specific mortality: a pooled analysis of Asian prospective cohort studies.

7. J Am Coll Nutr. 2013;32(3):151-9. doi: 10.1080/07315724.2013.791798: Impact of diet on mortality from stroke: results from the U.S. multiethnic cohort study.

8. Public Health Nutr. 2013 Oct 8:1-11. [Epub ahead of print]:Legumes and meat analogues consumption are associated with hip fracture risk independently of meat intake among Caucasian men and women: the Adventist Health Study-2.

9. Am J Epidemiol. 2013 Oct 22. [Epub ahead of print]: Red Meat and Processed Meat Consumption and All-Cause Mortality: A Meta-Analysis.

10. Diabetes Metab Syndr Obes. 2013 Sep 25;6:347-357.:Systematic review of clinical studies related to pork intake and metabolic syndrome or its components.

11. Nutr Res. 2013 Nov;33(11):913-21. doi: 10.1016/j.nutres.2013.08.003. Epub 2013 Sep 17.:Processed pork is the most frequently consumed type of pork in a survey of Australian children.

12. Ärzte-Zeitung: Lieber Herzinfarkt in Dänemark, 31.10.13

München, 12. November 2013

 

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