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Griff in die Mottenkiste: Der SPIEGEL informiert über Vitamine

Kommentar zum SPIEGEL-Artikel: Die Vitamin-Lüge, Ausgabe 3/2012

Vitamin-Pillen© photobank.kiev.ua / www.fotolia.deDer SPIEGEL hat sich eines drängenden Themas angenommen: Der „Vitamin-Lüge". Endlich prangert ein „Qualitätsmedium" das „Milliardengeschäft mit den überflüssigen Pillen" an. Und deckt auf, was jeder Leser eigentlich längst ahnte: Die dazugehörigen Machenschaften der Pharmariesen, ihre Netzwerke und ihren Lobbyismus. Auch die gesundheitlichen Risiken der Pillen und Pülverchen kommen zur Sprache. Auf diesem glitschigen Terrain Aufklärungsarbeit zu leisten, ist durchaus verdienstvoll.

Doch dann werden wieder brav die Empfehlungen von DGE oder WHO gegenübergestellt und hübsche Fotos von Obst und Gemüse eingestellt. Es folgen die üblichen pädagogischen Ratschläge, dass der adulte Zeitungsleser seinen Tagesbedarf an Vitamin E mit 90 Gramm Pflanzenmargarine und an B6 mit täglich 220 Gramm Vollkornreis (wobei natürlich offenbleibt, ob sich die Menge auf eine gekochte oder rohe Portion bezieht) und natürlich viel Grünkohl decken kann. Ganz davon abgesehen, dass ...

...die angegebenen Gehalte in Lebensmitteln eher Zufallsbefunde sind. Hätte er ein wenig gründlicher recherchiert, dann wüsste der Spiegel, dass es nicht nur Zweifel am Vitamin-Status des „C“ gibt sondern gerade beim Vitamin E jegliche Belege dafür fehlen, dass dieser Stoff tatsächlich lebensnotwendig ist.

Wer ausgewogen informiert, der findet natürlich auch noch potentielle Absatzmärkte für Vitamine in Deutschland. So sollten laut der zu Wort kommenden Wissenschaftler „Frauen im gebärfähigen Alter“ brav Folsäure-Pillen einwerfen. Wer wollte nicht an diesem wunderbaren Markt der Wunderpillen teilhaben? Wer schielt da nicht auf ein Scheibchen der satten Werbeetats?

Im Jahr 2025 wird es dann wohl wieder einen neuen SPIEGEL-Titel geben: „Die Folsäure-Lüge“. Man wird die Machenschaften von Ärzten und Pharmakonzernen aufdecken, die unerfreulichen Ergebnisse der Forschung zitieren, und – einen neuen Mangel entdecken: Die Unterversorgung von senilen SPIEGEL-Lesern mit speziellen Gedächtnis-Mineralien. 

Was das „Leitmedium“ als brandaktuelle Ergebnisse aus der Forschung präsentiert, wissen EU.L.E.N-SPIEGEL-Leser schon lange. 1995, also vor 17 Jahren haben wir uns erstmals mit dem Unsinn und der Schädlichkeit von Vitamin-Supplementen befasst. 1999 folgte ein Update, da sich die unerfreulichen Ergebnisse in der Fachpresse häuften. Ach ja, die Folsäure hatten wir natürlich auch schon im Visier - anno 2005.

Hier eine kleine Auswahl „historischer“ Schriften, die bis heute aktueller sind, als der aktuelle SPIEGEL. Übrigens: Der EU.L.E.N-SPIEGEL ist seit jeher anzeigenfrei.  

  

EULEN SPIEGEL2/1995
Mit Radikalfängern auf Kundenfang
   


EULEN SPIEGEL9/1999
Antioxidantien-Update:
Radikalfänger auf Kundenfang


EULEN SPIEGEL4/2005
Folsäure: Schwangere in der Pflicht