Udo Pollmers Mahlzeit
Sendung vom 21.09.2018

Radio

Von Udo Pollmer

Die Zeiten, als Antibiotika noch im Ruf von lebensrettenden Wundermitteln standen, sind vorbei, zumindest vorläufig. Jetzt ist das Gegenteil gefragt, die Probiotika. Keime werden nicht mehr unterschiedslos vergiftet, die aufgeklärte Zeitgenossin entsendet lieber eine Art Polizeitruppe in ihren Darm: Dort sollen die Probiotika gezielt den Bösewichtern unter den Mikroben Handschellen anlegen und sie dann abführen. Mehr kann man im Darm nicht tun. Die intensive Beschäftigung mit dem Darminhalt beschränkte sich früher auf Kleinkinder in der analen Phase. Jetzt sind diese Geschäfte in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Gesundheitsaffine Mitbürger sind ganz Ohr, wenn Darmsanierer aus dem Nähkästchen oder gar dem Nachttöpfchen plaudern. Die Erwartungen sind enorm, seit Ratgebersendungen versprachen, Dicke könnten durch Fäkalienspenden von...

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Udo Pollmers Mahlzeit
Sendung vom 07.09.2018

Radio

Von Udo Pollmer

Die Obsternte fiel dieses Jahr geradezu gigantisch aus, vielfach brachen die Zweige unter der Last der Früchte. Nun fürchten die Obstbauern den zu erwartenden Preisverfall. Erste Meldungen sprechen davon, dass der Handel teilweise nur noch 15 Cent fürs Kilo bezahlt. Für den Verbraucher ist das sommerliche Wetter allemal Grund zur Freude. Denn dadurch gibt's nicht nur reichlich Obst, durch die warme Witterung ist es dieses Jahr auch besonders süß. Die Hitzewelle im August, hier gern als Vorbote eines drohenden Weltuntergangs gedeutet, ist für die Landwirte Afrikas ein Segen, falls der vorhergesagte Klimatrend global so bleibt. Die noch in den 80er-Jahren als Dürre- und Hungergebiet verrufene Sahelzone wird allmählich grüner und ernährt immer mehr Menschen. Wir dürfen nicht vergessen: Ein Anstieg der Temperatur heißt global betrachtet nicht etwa mehr...

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Udo Pollmers Mahlzeit
Sendung vom 24.08.2018

Radio

Von Udo Pollmer

Naturschützer beklagen "eine Tiertragödie größten Ausmaßes". Gleich auf zwei Kontinenten hat ein dramatisches Sterben viele Geierarten an den Rand des Abgrunds gebracht. Verantwortlich dafür seien Tiermedikamente. Stimmt im Prinzip. Das Sterben begann in Indien in den Türmen des Schweigens. Dort pflegen die Parsen, Angehörige einer indischen Religion, ihre Toten den Geiern zum Fressen anzubieten. Da so ein Vogel pro Minute ein ganzes Kilo Fleisch herunter zu schlingen vermag, bleibt in kürzester Zeit nur noch das Skelett übrig. Für einen Parsen ist das die einzig würdige Form der Bestattung. Doch damit war eines Tages Schluss. Der Grund: Die Verstorbenen hatten vor ihrem Tod Diclofenac erhalten, ein billiges wie wirksames Schmerzmittel. Bereits 1,5 mg Diclo genügen, um einen Geier zu töten. Die Leber eines Schmerzpatienten reicht für mehrere Vögel. Nun vermag...

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Udo Pollmers Mahlzeit
Sendung vom 10.08.2018

Radio

Von Udo Pollmer

Unsere Supermärkte führen immer weniger bewährte Produkte, sie setzen lieber auf "Superfood". Statt Lebensmittel, die der Kunde zum Leben braucht, gibt’s nun Kaufähiges, welches das aktuelle Glaubenssystem der Kundschaft bedient. Nachdem viele traditionelle Erzeugnisse bis an den Rand der Ungenießbarkeit verbessert wurden, salzarm, fettarm, kalorienarm, dafür mit geschmeidigen Pflanzenfasern, sucht der Handel nun händeringend nach Alternativen. Doch das neue Sortiment an Superfood aus rohen Kakaobohnen, bitteren Wiesenkräutern und komischen Beeren, die laut Werbung "super sauer schmecken", ergibt noch kein Menü. Zum Glück gibt es noch halbwegs echte Produkte - zum Beispiel Vollmilch. Doch die Milch fördere Krebs, verschleime Kinder und sorge, wie ein populäres Gesundheitsportal verbreitet, für einen "frühen Tod". Das Grundnahrungsmittel...

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Udo Pollmers Mahlzeit
Sendung vom 27.07.2018

Radio

Von Udo Pollmer

Körperbewusste Menschen widmen sich gern ihren Problemzonen als da bisher waren: Bauch, Beine, Po. Das stete Gejammer ging unlängst einer Autorin auf den Geist, sie spottete genervt, die wichtigste "Problemzone" sei wohl doch das "Hirn". Zum Glück wissen Ernährungsberaterinnen Rat: Was zur Straffung von Bauch, Beinen und Po recht ist, sei fürs faltige Hirn nur billig: viel Brokkoli, fettarme Kost, und reichlich Wasser lautet der Tenor in den Onlinemedien. Unser Gehirn ist auch nicht mehr das, was einmal war: Früher wurde es zum Zwecke des Denkens mit Traubenzucker betrieben, heute genügt Wasserkraft. Mit 78 Prozent sei Wasser schließlich der Hauptbestandteil, betonen Experten und folgern daraus, zur artgerechten Bewässerung seien zwei Liter am Tag erforderlich. Damit ließe sich das Blut verdünnen, und schon...

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