Warum es durchaus Zweifel an der bestehenden Theorie gibt. Es spricht der Lebensmittelchemiker Udo Pollmer, wissenschaftlicher Leiter des EU.L.E. e.V.



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Unruhe hat die Mitteilung der NASA ausgelöst, auf Himmelskörpern des Sonnensystems befände sich reichlich Methan, Seen voller Methan, Wolken die Methan regnen lassen, Quellen aus denen Methan sprudelt, ja Atmosphären aus dem brandgefährlichen „Klimagas“. Die Weltraumbehörde erforscht nun die Evolution von organischer Materie in den Tiefen des Alls. Dadurch darf eine eine Frage öffentlich thematisiert werden, bei der selbst Nobelpreisträger bisher zum Schweigen verurteilt waren. 

Es geht um den uralten Streit, ob die fossilen Brennstoffe wie Erdöl, Erdgas und Steinkohle tatsächlich fossil sind oder durch eine Reaktion im Erdinneren entstanden sind. Letzteres hatte schon Alexander von Humboldt vertreten oder Dimitri Mendeljew – der Mann mit dem Periodensystem. Natürlich kennen wir alle den Glaubensgrundsatz, Erdöl oder Kohle... ...seien das Resultat abgestorbener Wälder oder versunkener Urmeere, die unter der Last der darauf lagernden Schichten zu Erdöl verflüssigt wurden. Als Beleg für diese Theorie gilt die Tatsache, dass Erdöl nicht wenige komplexe Moleküle enthält, die typisch für Lebewesen sind, dazu noch allerlei Mikroorganismen.

Der Ungläubige könne es ja mit eigenen Augen sehen, beispielsweise findet man in Kohleflözen komplette Baumstämme, Äste und Blätter. Fast so lebensecht wie das, was die Ausgrabungen in Pompeji zutage förderten, welches durch einen ungeheuren Vulkanausbruch zugrunde ging.

Doch diese Funde beweisen genau das Gegenteil dessen, was unsere Schulbücher behaupten: Denn wäre der damalige Wald von geologischen Kräften über Äonen hinweg zu Kohle verpresst worden, gäbe es darin keine perfekt erhaltenen Strukturen. Warum sind Pflanzen im Naturzustand versteinert, aber die Substanz drumherum ist Kohle, nichts als strukturlose Kohle? Wenn in der Grube Messel im Schiefer Abdrücke eines Urreptils entdeckt werden, dann kommt ja auch keiner auf die Idee zu behaupten, dies sei der Beweis, dass Schiefer aus zerdrückten Krokodilen bestünde.

Es handelt sich wohl eher um einen Wald, der durch eine gewaltige Naturkatastrophe im Erdöl, das aus einer Erdspalte austrat, versunken ist. Z.B. durch Metoriteneinschläge oder Vulkanausbrüche. Das hervorgequollene Erdöl wurde im Laufe der Zeit durch eine Oxidation mit Sauerstoff zu Kohle.

Wo aber kommt dann das Erdöl her? In der Tiefe herrschen enorme Temperaturen und gewaltige Drücke, der Zustand der Materie ist Plasma. Im Plasma reagieren die Carbonate im Gestein direkt mit Wasser zu Kohlenwasserstoffen – sprich zu Erdöl. Diese Reaktion wurde auch experimentell im Labor unter erheblichem Energieaufwand nachvollzogen. In ihrer vereinfachten Form ist sie als Fischer-Tropsch-Synthese bekannt, mit der aus Kohlenstoff großtechnisch Benzin erzeugt wurde und noch wird. Kürzlich gelang es damit, direkt aus Carbonaten Erdgas in erklecklicher Ausbeute herzustellen. Umgekehrt betont der russische Geologe Nicolai Kudrjawzew, dass es nicht möglich sei, experimentell aus Pflanzen oder Tieren ein Produkt wie Erdöl zu erzeugen.

Der einfachste Kohlenwasserstoff ist Methan. Deshalb kommt dieses Gas überall im Untergrund vor, daher auch der Erfolg des Frackings. Durch kleine Ritzen im Gestein, die mit technischen Mitteln geweitet werden, steigt genug Gas an die Oberfläche, so dass sich eine Gewinnung lohnt. Deshalb finden sich am Meeresgrund ungeheure Mengen an Methanhydraten. Deshalb ist Methan in den Permafrostböden eingeschlossen. Es kommt von unten – nicht von oben, wie auch Messungen am Meeresboden belegen. Wenn das Klimagas schließlich in die Atmosphäre gelangt, wird es in den oberen Schichten durch Hydroxylradikale zersetzt, die die UV-Strahlung der Sonne erzeugt.

Die Methanatmosphären von Himmelskörpern zeigen, dass für ihre Entstehung keinerlei Leben erforderlich ist. Das Weltall selbst ist voller Erdöl – ganz bestimmt nicht, weil Flugsaurer die Erde in Richtung Pferdekopfnebel verlassen haben, um sich dort bestatten zu lassen.

Woher stammen dann die komplexen organischen Substanzen im Erdöl? Das ist nicht besonderes, derartige Verbindungen findet man sogar in Meteoriten. Zweitens leben in der Tiefe auch Mikroben, die Erdöl als Nahrungsquelle verwerten. Durch sie gerät allerlei „Biologisches“ ins Petroleum, ins Steinöl wie der lateinische Name besagt.

Diese Zusammenhänge waren in der ehemaligen UdSSR wohlbekannt. Vor allem die weißrussischen und ukrainischen Institute entwickelten die Theorien weiter, um die Energieversorgung des Landes zu sichern. Dank dieser Forschung wurde die UdSSR ein wichtiger Exporteur von Erdgas und Erdöl. Viele Vorkommen wurden übrigens unterhalb des Urgesteins erschlossen, das sich in erdgeschichtlichen Zeiten gebildet hatte, als das Leben noch in weiter Ferne lag.

Im Westen wurde das Thema nicht gern öffentlich angesprochen. Einzig der Nobelpreisträger Thomas Gold, ein Astrophysiker, der die Existenz der Schwarzen Löcher vorausberechnet hatte, wagte es, darüber ein Sachbuch zu verfassen: „The Deep Hot Biosphere“. Er leitete übrigens aus dem geogenen Ursprung von Erdöl und Erdgas in der Erdkruste eine frappierende Theorie zur Entstehung des Lebens auf der Erde ab. Doch es sollte dem weltberühmten Genie alle Genialität nichts nützen. Das Buch fand keinerlei öffentliche Beachtung, selbst die Fachwelt fasste es nur mit spitzen Fingern an.

Das ist verständlich. Erdöl musste wichtigen politischen Zwecken dienen: Einmal als Steuerquell, weil „fossile“ Vorräte logischerweise begrenzt sind, und durch Steuern „geschont“ werden müssen. Dann als Druckmittel: Wer an einer Energie-Quelle sitzt, von der alle Welt glaubt, sie versiege bald, kann an der Preisschraube drehen. Und nicht zuletzt lassen sich damit Kriege in Förderländern rechtfertigen.

Laut der vielbeachteten Warnung des Club of Rome sind seit dem Jahr 2000 alle Erdölfelder komplett leergepumpt. Nun müssen neue Drohkulissen her, um die bis heute fröhlich sprudelnden Pfründe nicht zu verlieren.

 

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