Pflanzenschutz
Sendung vom 24.04.2015

Radio

Von Udo Pollmer

Der 25. April war einst einer der wichtigsten Festtage im Jahr. Man feierte die Robigalia, nach heutiger Terminologie den "Welttag des Pflanzenschutzes". Der aktuelle Zeitgeist empfände das wohl eher als Provokation, da stünde ein "Tag der Pestizidopfer" auf der Agenda. Das Robigalia-Fest fand zu Ehren von Robigus statt, dem römischen Gott des Pflanzenschutzes. Sein Name bezieht sich explizit auf eine der gefürchtetsten Getreidekrankheiten, den roten Getreiderost. Damit reiche Ernten winken, sollte der Gott durch das Opfern eines roten Hundes gnädig gestimmt werden. Natürlich wurden in der Antike nicht nur magische Rituale abgehalten, sondern auch Pflanzenschutz praktiziert. Die Römer kannten die Anfälligkeit ihrer Getreidesorten für Krankheiten, sie beizten die Saaten und brachten Gift zur Insekten- und Mäusebekämpfung aus. Ihre Getreidelager bauten sie möglichst so, dass die Schädlinge darin erstickten. Das änderte sich um das Jahr 800 unserer Zeit. Damals wurde das Fest in einen kirchlichen...

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Landwirtschaft soll schuld sein
Sendung vom 17.04.2015

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Von Udo Pollmer

Wenn Bienen sterben, geraten reflexartig Pestizide in Verdacht. Aktuell stehen die Neonicotinoide am Pranger, eine Gruppe probater Insektengifte, die glücklicherweise für Säugetiere und damit auch für Menschen relativ ungiftig sind. Aber Bienen sind bekanntlich Insekten – und so erscheint ein Bienensterben durch Insektenmittel nur logisch. Mancherorts versuchen die Behörden, den betroffenen Imkern die Schäden zu ersetzen. Führt der Bienenhalter seine Völkerverluste auf Neonicotinoide zurück, gibt's Kohle vom Staat. Dann steigt die Zahl der Fälle. Für den geschäftstüchtigen Imker ist es wirtschaftlicher, das ganze Volk im Herbst nach der Honigernte abzutöten, so spart er sich die Winterfütterung. Im Frühjahr erwirbt er sogenannte Paketbienen, also eine Königin samt einem kleinen Hofstaat – "Paketbienen" heißen sie deshalb, weil sie in einem Käfig von der Größe eines Lockenwicklers per Post verschickt werden. Der Inhalt wächst im Frühjahr schnell zu einem Volk heran. Diese Art der Imkerei...

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Essen wir zuviel Eiweiß?
Sendung vom 10.04.2015

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Von Udo Pollmer

Unser Bedarf an Nährstoffen ist nicht starr, sondern schwankt von Mensch zu Mensch – und das in einem weiten Bereich. So lautet einer der wichtigsten Ernährungsgrundsätze. Dies gilt selbstredend auch für den Eiweißbedarf. Manche benötigen eine Kost mit viel Fleisch und Käse, andere sind von ihrem Stoffwechsel her eher Kohlenhydratesser. Diese Vorlieben sind angeboren, die Unterschiede messbar, beispielsweise anhand des Insulinreflexes. Liebhaber von Pizza und Pasta, also von Kohlenhydraten, schütten schon beim Kauen Insulin aus, um auf die Blutzuckerfracht vorbereitet zu sein. Bei typischen Fleischessern erfolgt die Ausschüttung erst, wenn der Zucker vom Darm ins Blut strömt. Der Grund liegt in unserer Evolution: Solange Jäger oder Nomaden sich vorzugsweise von tierischen Produkten nährten, genügte es, wenn angesichts der knappen stärkehaltigen Beilagen das Insulin erst während des Verdauungsvorgangs bereitgestellt wurde. Bei den Ackerbauern mit...

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DNA-Markierungen
Sendung vom 27.03.2015

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Von Udo Pollmer

Lebensmittelbetrug ist stets ein großer Aufreger - kein Wunder, wenn sich Maultaschen als Gaultaschen erweisen oder teure Seezungen sich als minderwertige Tropenfische entpuppen. Aber nicht nur wir Kunden, auch die Unternehmen haben mit falsch deklarierter Ware ihre Probleme, inzwischen müssen sie sich immer öfter mit Lebensmittelpiraterie herumschlagen. So ziemlich alle Markenartikel werden gefälscht, angefangen von Babykost bis hin zu Edel-Spirituosen. Die aus minderwertigen Rohstoffen gepanschten Produkte sehen den Originalen zum Verwechseln ähnlich. Die britische Lebensmittelwirtschaft beziffert ihren Schaden mit über zehn Milliarden Pfund im Jahr. In Deutschland dürfte der Verlust kaum geringer ausfallen. Seit Jahren arbeitet die Branche an Lösungen, um die Echtheit ihrer Waren schnell und zuverlässig prüfen zu können. Nun hat die finnische Lebensmittelbehörde Evira exakt dafür ein sogenanntes DNA-Strichcode-System zugelassen. Damit sind nicht etwa...

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Wissenschaftsgeschichte
Sendung vom 20.03.2015

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Von Udo Pollmer

Noch vor wenigen Generationen waren Lebensmittelvergiftungen durch gesundheitsschädliche Zutaten oder bakteriellen Verderb an der Tagesordnung. So raffte beispielsweise allein die "Wurstvergiftung" bis weit ins 19. Jahrhundert halbe Dörfer und Sippen dahin. Besonders viele Opfer forderte das Wurstgift im Schwabenlande. Verantwortlich war eine regionale Spezialität, die Blunzen – ein geräucherter Schweinemagen gefüllt mit Blutwurst. Stinkende und käsig-verfaulte Blutwurst zum Mittagessen. Im Grunde handelte es sich um eine Delikatesse von historischem Rang. Offenbar wollten es die wackeren Schwaben dem Odysseus gleich tun, der im Wettkampf mit einem Bettler einen "großen Magen, mit Fett und Blut gefüllt", vulgo eine Blunze, als Preis errang. So berichtet es Homer. Mit der schwäbischen Version des Produktes war vor 200 Jahren allerdings kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Lange Zeit wurde über die Ursache der vielen Todesfälle gerätselt. Manche Ärzte...

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