Spargel kann nichts - außer schmecken
Sendung vom 29.05.2015

Radio

Von Udo Pollmer

Die Hymnen auf den Spargel werden von Jahr zu Jahr euphorischer. Was den Amerikanern ihre "Polypill", also jene magische Tablette, ist, die gegen alle Krankheiten dieser Welt hilft, das ist den Deutschen ihr Spargel: "Spargel – der Alleskönner" lese ich auf einer beliebigen Website, die wie viele andere auch Gesundheitsversprechen als Geschäftsmodell betreibt. Ganz vorne an steht wie immer das willentliche Verkleinern des eigenen Körpers, der Versuch mittels einer Diät, sprich mit quälendem Hunger, seine äußeren Konturen an die Konfektionsgrößen der Modeindustrie anzupassen. Beim Spargel geht das wie von selbst. Der löst nämlich keinen Frust, sondern Abnehmbegeisterung aus. Abnehmbegeisterte, lese ich, "können bei Spargel … zuschlagen bis zum Abwinken". Denn: "Kalorien sucht man im Spargel nahezu vergeblich". Stimmt. Der Nährwert entspricht tatsächlich dem Inhalt einer Seifenblase oder einer Website über gesunde Ernährung. Doch heute ist alles, was ohne...

=> lesen oder hören Sie weiter auf Deutschlandradio Kultur Mahlzeit!

Fleisch
Sendung vom 22.05.2015

Radio

Von Udo Pollmer

Es wird wieder Geld verteilt: Diesmal soll es den Tieren in den Ställen besser gehen. Handelsunternehmen haben für die "Initiative Tierwohl" dieses Jahr etwa 50 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Das sollte für gut 10 Millionen Schweine reichen. Zum Vergleich: Jedes Jahr werden in Deutschland an die 60 Millionen Borstentiere geschlachtet. Das Interesse der Landwirte ist groß – viele Anträge wurden abgelehnt, weil das Geld schon jetzt nicht mehr reicht. Für die abgelehnten Betriebe ist das bereits ein Verlustgeschäft. Denn sie mussten vor der Anmeldung in Vorleistung treten, beispielsweise Umbauten an ihren Ställen vornehmen, die sie aus eigener Tasche bezahlt haben. Nun gut, wenn es dadurch den Schweinen besser geht, ist das nicht von Schaden. Es gibt bei der Aktion Tierwohl Basiskriterien, die jeder erfüllen muss wie das Anbieten von Raufutter oder 10 Prozent mehr Platz, sowie Wahlkriterien, wie beispielsweise "Komfortliegeflächen". Für jede Maßnahme gibt's ein paar Cent, so dass...

=> lesen oder hören Sie weiter auf Deutschlandradio Kultur Mahlzeit!

Landwirtschaft
Sendung vom 15.05.2015

Radio

Von Udo Pollmer

Endlich hat die Landwirtschaft eine Stimme, die auch gehört wird. Unter dem Pseudonym "Bauer Willi" hat ein Landwirt vom Niederrhein einen Brandbrief an die Verbraucher gerichtet. Aus seiner Sicht sind die ziemlich schizophren. Einerseits forderten sie eine Ponyhof-Landwirtschaft mit Schmetterlingen und Blümelein, andererseits würden sie immer nur das Billigste aus der Monokultur kaufen. Erst stellen sie jede Menge Ansprüche an die Erzeuger und dann werfen sie ihre Nahrungsmittel achtlos in die Tonne. Für Bauer Willi ein deutliches Zeichen, dass unsere Lebensmittel zu billig sind, eine Aussage, für die er im Internet viel Zustimmung erntete. Einer seiner Kollegen bekam für seine Kartoffeln gerade mal einen Cent pro Kilo – und im Laden kosten TK-Pommes dann mehr als das Zweihundertfache. Hier mache sich jemand "gewaltig die Taschen voll", urteilt der Landmann. Sein Frust ist verständlich, aber glaubt er ernsthaft, dass das Geld in seinen Taschen landet, wenn die Kunden...

=> lesen oder hören Sie weiter auf Deutschlandradio Kultur Mahlzeit!

Eistee
Sendung vom 08.05.2015

Radio

Von Udo Pollmer

Laut Medienberichten steht der beliebte Eistee im Verdacht, Nierenversagen auszulösen. Anlass ist ein an sich gesunder US-Bürger, der täglich gleich mehrere Liter konsumiert hatte. Die Ärzte sind sich nach ausführlicher Anamnese sicher, mit dem Getränk die Ursache gefunden zu haben und sie sind überzeugt, dass es sich nicht um einen Einzelfall handelt. Was bitte kommt an problematischen Zutaten in den Eistee? Laut Zutatenliste handelt es sich um eine Mixtur aus Wasser, Zucker, Aromen, Zitronensäure und Schwarztee. Eine Angabe fehlt allerdings auf dem Etikett: die Methode der Haltbarmachung. Eine Konservierung ist zwingend erforderlich, denn Eistee enthält im Gegensatz zu den meisten Erfrischungsgetränken keine Kohlensäure. Deshalb wird das Getränk gern mit Dimethyldicarbonat haltbar gemacht, - ein radikales, giftiges und explosives Desinfektionsmittel. Da es sich während der Behandlung zersetzt, erübrigt sich eine Deklaration. Doch das Desinfektionsmittel ist unschuldig, Zucker, Wasser und...

=> lesen oder hören Sie weiter auf Deutschlandradio Kultur Mahlzeit!

Pflanzenschutz
Sendung vom 24.04.2015

Radio

Von Udo Pollmer

Der 25. April war einst einer der wichtigsten Festtage im Jahr. Man feierte die Robigalia, nach heutiger Terminologie den "Welttag des Pflanzenschutzes". Der aktuelle Zeitgeist empfände das wohl eher als Provokation, da stünde ein "Tag der Pestizidopfer" auf der Agenda. Das Robigalia-Fest fand zu Ehren von Robigus statt, dem römischen Gott des Pflanzenschutzes. Sein Name bezieht sich explizit auf eine der gefürchtetsten Getreidekrankheiten, den roten Getreiderost. Damit reiche Ernten winken, sollte der Gott durch das Opfern eines roten Hundes gnädig gestimmt werden. Natürlich wurden in der Antike nicht nur magische Rituale abgehalten, sondern auch Pflanzenschutz praktiziert. Die Römer kannten die Anfälligkeit ihrer Getreidesorten für Krankheiten, sie beizten die Saaten und brachten Gift zur Insekten- und Mäusebekämpfung aus. Ihre Getreidelager bauten sie möglichst so, dass die Schädlinge darin erstickten. Das änderte sich um das Jahr 800 unserer Zeit. Damals wurde das Fest in einen kirchlichen...

=> lesen oder hören Sie weiter auf Deutschlandradio Kultur Mahlzeit!