Unterernährte Alte
Sendung vom 06.03.2015

Radio

Von Udo Pollmer

Bei dieser Pressemeldung der Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten stockt einem beinahe der Atem: Bis zu 60 Prozent der Menschen in Altersheimen, Pflegeheimen und Krankenhäusern sollen mangel- oder unterernährt sein. Und was würden Sie dagegen tun? Klar doch, das Gleiche, was man mit großer öffentlichen Teilnahme bei Missernten, Naturkatastrophen und Hungersnöten in Afrika macht: Man gibt den Opfern etwas Nahrhaftes zu essen, am besten das, was sie am liebsten mögen. So kommen sie schnell zu Kräften. Überall auf der Welt wirken ein guter Koch und aufmerksames Personal wahre Wunder. Pustekuchen! Ärzte und Ernährungsberaterinnen sehen das ganz anders: Denn wenn's ums Essen geht, braucht es statt guter Köchinnen gut bezahlte Experten, damit den Patienten statt einer appetitlichen Mahlzeit eine "Ernährungstherapie" serviert werden kann. Angesichts der Kalorienphobie unter den einschlägigen Berufsgruppen müssen Pflegebedürftige und Greise mit dem Schlimmsten...

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Religion und Ernährung
Sendung vom 27.02.2015

Radio

Von Udo Pollmer

Liest man die aktuellen Schriften vegetarischer Erbauungsliteraten, dann ist der Buddhismus eine zutiefst vegetarische Religion. Als Vorbild gelten ihnen die Japaner, die sich bis ins 18. Jahrhundert hinein nach den Prinzipien des Buddhismus fast ausschließlich fleischlos ernährt haben sollen. Doch dann habe, so lese ich, "der Westen ein vegetarisches Land zerstört": Erst mit der Atombombe und dann mit der Schulspeisung. Mit letzterer hätten die amerikanischen Besatzer die kleinen Japaner zum Fleischessen verführt. In der Tat liegt der Schlüssel zum Verständnis der japanischen Küche in der Religion: Als die Japaner im sechsten Jahrhundert den Buddhismus von koreanischen Mönchen übernahmen, gerieten sie in ein Dilemma: Gläubigen war das Töten anderer Lebewesen verboten – und damit waren Steaks und Schnitzel tabu. Leider übersahen die Mönche, dass dieses Gebot nur in Regionen mit subtropischem Klima auf fruchtbaren Böden mit mehreren Ernten im Jahr praktikabel ist – wie in ihrer Heimat. Auf Okinawa und...

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Hype aus Neuseeland
Sendung vom 20.02.2015

Radio

Von Udo Pollmer

Von Neuseeland aus geht ein neuer Ernährungshype um die Welt: Nach dem Erfolg der fettarmen und der lactosefreien Milch schwappt nun die A2-Milch nach Europa. Natürlich soll sie "gesünder" sein als die bei uns übliche Milch, diese würde nämlich Zivilisationskrankheiten hervorrufen. A2-Milch heißt fachsprachlich eine Milch, deren ß-Casein – einer von vielen Eiweißbestandteilen – nach einer biochemischen Klassifizierung zufällig das Kürzel A2 bekam. Es gibt zahlreiche weitere Varianten. Jedes Rind hat in seiner Milch eine etwas andere Mischung. Dennoch gibt es gewisse Häufungen: Bei europäischen Rindern kommt A1 relativ oft vor, bei indischen Kühen A2, für koreanisches Vieh ist die Variante H typisch. Im Grunde sind die Unterscheidungen nur von akademischem Interesse. Nun aber behaupteten neuseeländische Geschäftsleute, dass unter den ß-Caseinen die A2 Variante besser sei als das in Europa häufigere A1-Casein. Letzteres würde Krankheiten wie Herzinfarkt, Allergien, Kinderdiabetes, Übergewicht und Autismus auslösen. Belege für...

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Bodenverbrauch
Sendung vom 13.02.2015

Radio

Von Udo Pollmer

"Kein anderer Kontinent ist für seinen Konsum stärker auf fremdes Land angewiesen als Europa", vermeldet der Spiegel und beruft sich auf den Bodenatlas, den ein Konsortium von Umweltorganisationen vorgelegt hat. "Jeder EU-Bürger", heißt es weiter, "darunter ganz vorn die Deutschen", verbrauche "pro Jahr 1,3 Hektar Land, sechsmal so viel wie ein Einwohner aus Bangladesh." Das meiste davon ginge nach den Worten der Herausgeber "auf das Konto der intensiven Fleischproduktion, für die wir gigantische Mengen Futtermittel importieren." Angesichts solcher Zahlen sei ein Veggie-Tag pro Woche "geradezu naiv". Das prüfen wir lieber nach. Deutschland ernährt sich mit seinen knapp 17 Millionen Hektar Agrarland zu etwa 80 Prozent selbst. Wir könnten uns rein rechnerisch komplett selbst versorgen – denn 20 % unserer Äcker werden für "Energiepflanzen" missbraucht. Umgerechnet auf die 80 Millionen Bürger, benötigt also jeder von uns nur 0,2 Hektar. Die Diskrepanz zwischen den "ermittelten" 1,3 Hektar und den realen 0,2 Hektar ist erheblich. Wo also steckt das ...

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Mit Zucker gegen Corstisol
Sendung vom 06.02.2015

Radio

Von Udo Pollmer

Einst brachte Schokolade Kinderaugen zum Leuchten, auch Erwachsene ließen sich gern eine Tafel munden. Doch heute gilt sie als Anfang allen Übels. Denn Schokolade verführt und bringt ernährungsbewusste Zeitgenossen, die konsequent auf Süßes verzichten wollen, immer wieder in die Bredouille. Auf den Kindertraum folgte ein böses Erwachen mit einem heimtückischen Dickmacher, der es nur darauf abgesehen hat, uns die Freude am leichten, kalorienreduzierten Leben zu vergällen. Da wäre zunächst das psychophysikalische Design zu nennen. Die Hersteller unterscheiden zwischen zwei Verbrauchertypen: Die "Lutscher" und die "Beißer". Die "Lutscher" sind harmoniebedürftige oder frustrierte Mitmenschen, die den zarten Schmelz lieben. Sie können sich damit selbst ein paar Streicheleinheiten am Gaumen verpassen. Die "Beißer" hingegen wählen härtere Schokoladensorten, um beim Zerbeißen ihre Aggressionen abzuleiten. Es gibt keine Schokolade, die beide Verbraucher gleichermaßen bedient, aber beide Schokoladenarten mindern Stress und sorgen...

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