Wissenschaftsgeschichte
Sendung vom 20.03.2015

Radio

Von Udo Pollmer

Noch vor wenigen Generationen waren Lebensmittelvergiftungen durch gesundheitsschädliche Zutaten oder bakteriellen Verderb an der Tagesordnung. So raffte beispielsweise allein die "Wurstvergiftung" bis weit ins 19. Jahrhundert halbe Dörfer und Sippen dahin. Besonders viele Opfer forderte das Wurstgift im Schwabenlande. Verantwortlich war eine regionale Spezialität, die Blunzen – ein geräucherter Schweinemagen gefüllt mit Blutwurst. Stinkende und käsig-verfaulte Blutwurst zum Mittagessen. Im Grunde handelte es sich um eine Delikatesse von historischem Rang. Offenbar wollten es die wackeren Schwaben dem Odysseus gleich tun, der im Wettkampf mit einem Bettler einen "großen Magen, mit Fett und Blut gefüllt", vulgo eine Blunze, als Preis errang. So berichtet es Homer. Mit der schwäbischen Version des Produktes war vor 200 Jahren allerdings kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Lange Zeit wurde über die Ursache der vielen Todesfälle gerätselt. Manche Ärzte...

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Wegen Magensäure-Hemmern
Sendung vom 13.03.2015

Radio

Von Udo Pollmer

Unsere Magensäure tötet innerhalb von Sekunden Bakterien ab. Doch Medikamente, die die Produktion von Magensäure hemmen, nehmen dem Magen diese lebenswichtige Funktion. Wer gleichzeitig Rohkost wie Salat isst, kann schwer krank werden. Wechselwirkungen zwischen Lebensmitteln und Arzneimitteln sind so neu nicht – die bekannteste und bisher auch gefährlichste war der Konsum von Grapefruits bzw. Grapefruitsaft zusammen mit Medikamenten. Diese Zitrusfrucht enthält von Natur aus Substanzen, die die Entgiftungskapazität der Leber massiv verändern, was entweder zu einem beschleunigten Abbau der Arzneien führt, und damit zur Wirkungslosigkeit oder den Abbau blockiert, so dass lebensbedrohliche Blutspiegel erreicht werden. Nicht wenige Todesfälle sind darauf zurückzuführen. Nun schickt sich eine besonders erfolgreiche Gruppe von Medikamenten an, den Grapefruits den Rang abzulaufen. Es sind die sogenannten Protonenpumpenhemmer. Was klingt wie eine Waffe aus...

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Unterernährte Alte
Sendung vom 06.03.2015

Radio

Von Udo Pollmer

Bei dieser Pressemeldung der Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten stockt einem beinahe der Atem: Bis zu 60 Prozent der Menschen in Altersheimen, Pflegeheimen und Krankenhäusern sollen mangel- oder unterernährt sein. Und was würden Sie dagegen tun? Klar doch, das Gleiche, was man mit großer öffentlichen Teilnahme bei Missernten, Naturkatastrophen und Hungersnöten in Afrika macht: Man gibt den Opfern etwas Nahrhaftes zu essen, am besten das, was sie am liebsten mögen. So kommen sie schnell zu Kräften. Überall auf der Welt wirken ein guter Koch und aufmerksames Personal wahre Wunder. Pustekuchen! Ärzte und Ernährungsberaterinnen sehen das ganz anders: Denn wenn's ums Essen geht, braucht es statt guter Köchinnen gut bezahlte Experten, damit den Patienten statt einer appetitlichen Mahlzeit eine "Ernährungstherapie" serviert werden kann. Angesichts der Kalorienphobie unter den einschlägigen Berufsgruppen müssen Pflegebedürftige und Greise mit dem Schlimmsten...

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Religion und Ernährung
Sendung vom 27.02.2015

Radio

Von Udo Pollmer

Liest man die aktuellen Schriften vegetarischer Erbauungsliteraten, dann ist der Buddhismus eine zutiefst vegetarische Religion. Als Vorbild gelten ihnen die Japaner, die sich bis ins 18. Jahrhundert hinein nach den Prinzipien des Buddhismus fast ausschließlich fleischlos ernährt haben sollen. Doch dann habe, so lese ich, "der Westen ein vegetarisches Land zerstört": Erst mit der Atombombe und dann mit der Schulspeisung. Mit letzterer hätten die amerikanischen Besatzer die kleinen Japaner zum Fleischessen verführt. In der Tat liegt der Schlüssel zum Verständnis der japanischen Küche in der Religion: Als die Japaner im sechsten Jahrhundert den Buddhismus von koreanischen Mönchen übernahmen, gerieten sie in ein Dilemma: Gläubigen war das Töten anderer Lebewesen verboten – und damit waren Steaks und Schnitzel tabu. Leider übersahen die Mönche, dass dieses Gebot nur in Regionen mit subtropischem Klima auf fruchtbaren Böden mit mehreren Ernten im Jahr praktikabel ist – wie in ihrer Heimat. Auf Okinawa und...

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Hype aus Neuseeland
Sendung vom 20.02.2015

Radio

Von Udo Pollmer

Von Neuseeland aus geht ein neuer Ernährungshype um die Welt: Nach dem Erfolg der fettarmen und der lactosefreien Milch schwappt nun die A2-Milch nach Europa. Natürlich soll sie "gesünder" sein als die bei uns übliche Milch, diese würde nämlich Zivilisationskrankheiten hervorrufen. A2-Milch heißt fachsprachlich eine Milch, deren ß-Casein – einer von vielen Eiweißbestandteilen – nach einer biochemischen Klassifizierung zufällig das Kürzel A2 bekam. Es gibt zahlreiche weitere Varianten. Jedes Rind hat in seiner Milch eine etwas andere Mischung. Dennoch gibt es gewisse Häufungen: Bei europäischen Rindern kommt A1 relativ oft vor, bei indischen Kühen A2, für koreanisches Vieh ist die Variante H typisch. Im Grunde sind die Unterscheidungen nur von akademischem Interesse. Nun aber behaupteten neuseeländische Geschäftsleute, dass unter den ß-Caseinen die A2 Variante besser sei als das in Europa häufigere A1-Casein. Letzteres würde Krankheiten wie Herzinfarkt, Allergien, Kinderdiabetes, Übergewicht und Autismus auslösen. Belege für...

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