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von Jutta Muth und Udo Pollmer![]()
aus EU.L.E.N-SPIEGEL 3-4/2006 S. 19-21
Jahrhundertelang und bis zum heutigen Tage wurde der Kaffee verteufelt. Jüngstes Beispiel: Kaffee gilt als Flüssigkeitsraüber. Obwohl früher jeder Volksschüler wusste, dass Kaffee mit Wasser aufgebrüht wird und daher Flüssigkeit liefert, führen heute acht Semester an einer beliebigen Universität zu dem Glauben, Kaffeetrinken verursache Flüssigkeitsverluste. Beweise für solche „Risiken" sind trotz unzähliger Studien unauffindbar. Im Gegenteil: Allmählich verdichten sich die Hinweise, dass Kaffee zu den wenigen Lebensmitteln gehört, die tatsächlich einen Gesundheitsnutzen haben können. Damit dürfen alle, die Kaffee mögen und vertragen, endlich beruhigt zu einem und sogar zu mehreren Tässchen greifen.
„Kaffee schützt vor Diabetes" – eigentlich hat diese Meldung so weitreichende Konsequenzen, dass sie gut in die Abendnachrichten gepasst hätte. Doch Fachwelt wie Fachredaktionen zogen es vor, die erfreuliche Erkenntnis gegenüber der Öffentlichkeit herunterzuspielen oder gar zu verheimlichen. Vermutlich, weil das genannte gesundheitliche Verdienst allenfalls dem Brokkoli zugestanden hätte, aber nie und nimmer einem Genussmittel, das nach bisheriger Meinung durch seinen Koffeingehalt die Glucosetoleranz beeinträchtigt und damit vor allem für Diabetiker tabu sein sollte.
Nun aber ist genau das Gegenteil wahr. Eine Metaanalyse...
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von Jutta Muth
aus EU.L.E.N-SPIEGEL 3-4/2009 S. 40
Unerhörte Studien
In letzter Zeit hatten Studien mit Antidepressiva so verheerende Ergebnisse erbracht, dass sie das Geschäft mit den Psychopillen ruiniert hätten. Im Doppelblindversuch wirkten sie nicht besser als Placebos, teilweise schnitten sie sogar schlechter ab. Das zeigt auch ein aktuelles Beispiel aus der Suchtbehandlung: Weder Naltrexon noch Acamprosate konnten Alkoholabhängigen Linderung verschaffen. Da die Pharmahersteller das nicht auf sich sitzen lassen wollten, wurde gleich eine neue Studie anberaumt, auf dass der Hintergrund dieses unrühmlichen Ergebnisses durchleuchtet werde. 169 Alkoholiker erhielten in einem Doppelblindversuch entweder Naltrexon, Acamprosate oder ein Placebo. Zwölf Wochen lang wurde protokolliert, wie viel Alkohol die Patienten tranken, wie stark sie ihre Abhängigkeit einschätzten und wie sehr sie unter dem Verlangen nach Alkohol litten (Cravings)....
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aus EU.L.E.N-SPIEGEL 2/2010 S. 17
Im März 2010 erschien in der New York Times ein Artikel mit dem Titel „The Great Prostate Mistake"1, der viel Staub aufwirbelte. Darin ging es um das Prostata-Screening mittels PSA-Test (PSA = Prostata-spezifisches Antigen). Demnach würde der Test, dem sich jährlich rund 30 Millionen (!) Amerikaner unterziehen und dessen Kosten mit mindestens drei Milliarden US-Dollar pro Jahr zu Buche schlagen, nur der Gesundheitsindustrie nützen.
Das Geld könne man genauso gut aus dem Fenster werfen: „Mit einem PSA-Test lässt sich kein Prostatakrebs entdecken, und noch wichtiger, der Test kann nicht zwischen den beiden Typen von Prostatakrebs unterscheiden – demjenigen, der Sie auf die Dauer umbringt, und demjenigen, der das nicht tut. ... es ist weitaus wahrscheinlicher, mit Prostatakrebs zu sterben als an ihm zu sterben."
Nun könnte man dies als die übliche Miesmacherei eines Vorsorgemuffels unter den Journalisten abtun, aber...
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aus EU.L.E.N-SPIEGEL 2/2010 S. 18
Die Untersuchungen zur Krebsentstehung stecken voller Überraschungen: Obduktionen von Verstorbenen ohne bekannte Krebserkrankung ergaben, dass kleine Krebsgeschwüre die Regel und nicht die Ausnahme sind. Bei 40-50 jährigen Frauen fanden sich bei 40 Prozent kleine Brusttumoren.3
In der Prostata hatten bereits 8 Prozent der unter 30jährigen ein kleines Krebsgeschwür, bei den über 70jährigen waren es bis zu 80 Prozent.1 Wie gesagt, keiner der Obduzierten war an Krebs gestorben! Bis heute ist ungeklärt, wieso manche dieser Krebszellen anfangen sich ungebremst zu vermehren.1
Aus geschäftlicher Sicht bietet sich hier ein weites Betätigungsfeld. Bei jedem Menschen, ob jung oder alt, lässt sich Krebs diagnostizieren – man muss nur genügend Untersuchungen anbieten. Egal, ob ein echter oder ein vermeintlicher Tumor: Der Patient wird auf jeden Fall Angst bekommen und sich in Therapien drängen lassen, die nicht nur ihn und seine Familie schwer belasten, sondern gleichzeitig auch zur Umverteilung des volkswirtschaftlichen Kapitals führen. Die Krankenkassen haben endlich die Kirchen abgelöst. Sie lassen sich die Angst der Menschen vergolden.
Bei der Suche nach der Möglichkeit, Krebserkrankungen zu verhindern, gelang vor wenigen Jahren eine bahnbrechende Entdeckung: Ein Eiweiß namens p53 schützt vor Krebs, indem es fehlerhafte Zellen von der Vermehrung ausschließt. Mittlerweile gelang es mittels Gentechnik die Aktivität von p53 in Mäuschen zu erhöhen und damit echte Krebsvorsorge zu betreiben. Und tatsächlich: Die Tumorrate war bei den behandelten Tieren geringer...
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Der Klimawandel wird hierzulande fast ausschließlich als katastrophales Ereignis beschrieben. Das auch positive Effekte zu erwarten sind, völlig unabhängig davon, ob klimatische Veränderungen tatsächlich vom Menschen verursacht werden, wird selten erwähnt. Schließlich sind wir besonders spendenbereit, akzeptieren höhere Steuern und stinkende Biogasanlagen, wenn man uns Angst macht.
Für die Verfechter des Katastrophenszenarios kommt daher ein Phänomen, was noch dazu seit 30 Jahren zu beobachten ist, ziemlich ungelegen: Die Sahara schrumpft! Ihr Rand wandert immer weiter nach Norden und der südliche Gürtel, die durch Hungersnöte zu trauriger Bekanntheit gekommene Sahelzone, erblüht und ergrünt.
Lesen Sie hierzu aktuelle Artikel:
Mueller P: The Sahel is greening






